Think it Crypto
Marktreport #28

Der Zyklus ist kein Fahrplan.

25. September 2026 · Von Samir Strobel · 5 min Lesezeit
Think it Crypto Marktreport
Heute keine Tagesnews. Heute eine Frage: Bitcoin im Oktober bei $40.000?

👋 Willkommen zur 28. Ausgabe des Think it Crypto Marktreports.

Heute machen wir es mal anders. Kein Rundgang durch die neuesten Schlagzeilen. Stattdessen klären wir eine einzige Frage, die mir gerade viel zu oft gestellt wird: Kaufst du Bitcoin im Oktober bei $40.000?

Nach dem alten Bitcoin-Zyklus wäre genau das jetzt dran. Ausgerechnet die Analysten, die diesen Oktober-Boden am lautesten ausgerufen haben, rudern gerade zurück. Und Bitcoin selbst hat etwas getan, was nicht im Drehbuch stand.

Das klären wir heute Schritt für Schritt:

🗓️ Warum überhaupt Oktober: der 4-Jahres-Zyklus und sein Boden-Fenster.
🔢 Woher die $40.000 kommen und warum die Zahl wackelt.
🟢 Drei grüne Monate: was Bitcoin gerade gegen das Drehbuch macht.
🧲 Der wahre Treiber: Liquidität statt Halving.
🎯 Meine Wahrscheinlichkeit für $40.000 und wie ich selbst handle.

🗓️ Bitcoin im Oktober bei $40.000?

Die Idee klingt erstmal wild, kommt aber nicht aus dem Nichts. Bitcoin hat historisch alle vier Jahre fast dasselbe gemacht: Halving, neues Allzeithoch, brutaler Bärenmarkt, Boden, und von vorne.

Und der Boden kam bisher jedes Mal im selben Fenster. Immer zwischen 360 und 410 Tagen nach dem Hoch. Immer rund um das vierte Quartal. Übersetzt heißt das: Nach diesem Muster müsste Bitcoin in den nächsten rund 90 Tagen seinen Boden finden.

Die $40.000 selbst sind keine harte Datenzahl, eher eine Marke, die viele im Kopf haben. In den alten Zyklen fiel Bitcoin 85%, 84% und 77%. Bei $40.000 läge der Drawdown diesmal bei rund 68%. Das würde sogar ins Muster passen, dass die Bärenmärkte von Zyklus zu Zyklus milder werden. Auf dem Papier steht dieser Oktober-Boden also fast exakt auf dem Fahrplan.

Nur: Während alle darauf gewartet haben, hat Bitcoin etwas anderes gemacht. Juli, August, September, drei grüne Monate in Folge. Das gab es im Bärenmarkt noch nie. Dazu hat der Kurs nach dem 50-Wochen-Schnitt auch die 365-Tage-Linie zurückerobert, die seit 2019 jeden Bullenmarkt eingeläutet hat. Bei knapp $90.000 stand Bitcoin zuletzt nur noch 30% unter seinem Allzeithoch (Glassnode).

Meine Bewertung: Das ist genau das Umfeld, das historisch fast immer den Übergang in den Bullenmarkt markiert hat. Nicht die Phase kurz vor dem finalen Absturz. Ausgeschlossen ist ein letzter Bodenflush nicht. Aber mit jeder Woche ohne den großen Crash wird er unwahrscheinlicher.

Takeaway: Auf dem Papier ist der Oktober-Boden möglich. Im echten Markt spricht gerade das meiste dagegen.

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📉 Warum die Zyklen schrumpfen

Vom Tief bis zum Hoch machte Bitcoin im ersten Zyklus das 560-fache. Dann das 108-fache, dann das 21-fache, im letzten noch rund das 8-fache. Jeder Zyklus wirft deutlich weniger ab als der davor.

Und nicht nur die Gewinne. Auch die Abstürze werden flacher: 86%, 84%, 77%, und jetzt 54% (Glassnode). Sogar zeitlich zieht sich alles zusammen. Das nennt man Kompression: Je größer und reifer Bitcoin wird, je mehr echtes Kapital über ETFs, Firmen und Staaten reinkommt, desto weniger Gewicht hat der alte Halving-Effekt.

Takeaway: Wer den alten Zyklus eins zu eins als Glaskugel nutzt, schaut meistens genau dann dumm aus der Wäsche, wenn es zählt.

🧲 Das Halving ist überbewertet

Die ganze Oktober-These hängt am 4-Jahres-Zyklus, und der hängt am Halving. Nur trägt das Halving nicht mehr das Gewicht, das ihm alle geben. Das letzte hat das neue Angebot um rund $40M pro Tag gekürzt. Der Markt ist inzwischen Billionen schwer, und die ETFs saugen an starken Tagen gerne mal über $500M auf. Also das Zwölffache.

Der eigentliche Treiber ist die globale Liquidität. Also wann billiges Geld ins System kommt und wann es wieder rausgezogen wird. Die Korrelation zwischen der Geldmenge M2 und Bitcoin war schon immer hoch, und dieser Liquiditätszyklus lief die letzten Jahre fast deckungsgleich mit dem Halving. Die Aufmerksamkeit bekam das Halving. Gearbeitet hat die Makro-Liquidität. Und die zieht schon wieder an.

Takeaway: Nicht der Kalender bewegt Bitcoin. Das Geld bewegt Bitcoin.

🌐 Was im Zyklus nicht steht

Im 4-Jahres-Zyklus ist nirgends verankert, dass das US-Finanzministerium gerade den Geldhahn wieder aufdreht, mit Milliarden an Treasury-Buybacks. Oder dass die US-Staatsanleihen-Renditen gerade durch die Decke gehen, mit der 10-jährigen auf dem höchsten Stand seit 2007 (Kobeissi).

Genau da kommt das Debasement-Narrativ zurück, also die Angst vor der Entwertung des Geldes. Das sind die Dinge, die den Markt heute wirklich bewegen. Kein Kalenderblatt aus 2018.

Takeaway: Der Zyklus ist ein Muster, kein Naturgesetz. Diesmal reden zu viele neue Kräfte mit.

🎯 Meine Wahrscheinlichkeit, mein Vorgehen

Ganz persönlich: Die Chance, dass wir im Oktober nochmal Richtung $40.000 gehen, liegt für mich vielleicht bei 10 bis 15%. Und mit jeder Woche über dem 50-Wochen-Schnitt fällt sie weiter.

Trotzdem, und das gehört zur Ehrlichkeit dazu: Ich habe weiterhin automatische Käufe unter $50.000 laufen. Ich haue nur nie alles auf einmal rein und nie alles auf einmal raus. Ich fange früh an, in mehreren Schritten Positionen aufzubauen. So nehme ich den ganzen Boden-Bereich im Schnitt mit, egal wann es am Ende wirklich dreht.

Takeaway: Du musst den Boden nicht auf den Tag treffen. Du musst nur dabei sein, wenn er da ist.

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🔚 Fazit

Ja, $40.000 wären nach dem alten Drehbuch sauberer gewesen. Aber Zyklen verändern sich, und wer stur auf die Vergangenheit als Glaskugel wettet, trifft am Ende selten den Punkt. Warten kann gerade der teuerste Fehler des Jahres sein. Genauso wie all-in am vermeintlich perfekten Tag.

Mein Standpunkt: Der Zyklus ist kein Fahrplan. Handel danach, was den Markt heute bewegt, nicht danach, was der Kalender 2018 gesagt hat.

Tägliche News auf X (@thinkitcrypto) und auf meinem YouTube-Kanal.

Bis zur nächsten Ausgabe: Augen auf, BTC stacken.
– Samir

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